Herumstreifen

Zeit in der Natur schafft Augenblicke der Verbindung. In diesem Fall war es ein Spinnennetz, das mit Tau befeuchtet im Schein der Herbstsonne glänzt. Ein schöner Moment. Ich habe es zufällig beim Herumstreifen im Wald gesehen und gleich auf Lichtbild verewigt.

So ein Moment kann nicht geplant werden. Er entsteht durch unstrukturierte Zeit in der Natur und schafft eine Verbindung zur Wildnis. Das ist es, was Naturmentoren einsetzen und bewusst planen. Jon Young – der die Wildnispädagogik und das Naturmentoring nachhaltig geprägt hat – nennt dies in seinem Buch „Coyote-Guide“ das 50:50 Prinzip. 50% der Zeit einer Veranstaltung sind mit Programm verplant. Die restlichen 50% frei und unverplant. So beleibt Zeit zum Herumstreifen, Entdecken und Begreifen.

Das passt natürlich gar nicht in unsere von Effizienz getriebenen minutiös-terminplanenden modernen Welt. So mache Person bekommt die Krise wenn kein Plan und keine Struktur besteht. Da muss der Wildnispädagoge durchhalten und darf sich nicht beirren lassen.

Was hab ich nicht selbst durch Herumstreifen lernen dürfen. Ein Baum, der mir zuvor nicht aufgefallen ist, eine Feder, Pflanze oder eine Tierstimme. Das Herumstreifen regt die Sinne an. In Kombination mit Fragen ist die Kernroutine ein machtvolles Instrument.
Tom Brown Jr. nennt es „The Game“. Es geht darum immer Fragen zu stellen – Was ist es? Warum ist es hier? Was kann man damit machen?. Durch das Stellen von Fragen werden Verbindungen hergestellt, bestehendes Wissen mit neuen Entdeckungen verbunden und so ein neues Ergebnis – eine neue Wahrnehmung geschaffen.

Noch ein Wort zu den Fragen. Es geht nicht darum alle Fragen sofort beantworten zu können. Manche Fragen werden erst nach Tagen, Wochen bzw. Jahren eine Antwort finden. Und so manches wird nie beantwortet.

Umso öfter wir die Routine des Herumstreifens mit der Kraft der Frage einsetzen, desto besser wird die Verbindung und Bedeutung von Natur. Also plane mal ungeplante Zeit und schau was passiert.

Mehr zum Buch „Coyote-Guide – Einführung in die Wildnispädagogik“ von Jon Young gibt es hier.